Straßenaufbau: Die Schichten einer Asphaltstraße im Überblick
Der Aufbau einer Straße wirkt von außen simpel – tatsächlich steckt dahinter ein technisch präzises Schichtsystem, das Tragfähigkeit, Frostbeständigkeit und langfristige Nutzbarkeit sicherstellt. Jede Schicht erfüllt eine eigene Aufgabe, und erst im Zusammenspiel entsteht eine Straße, die dem täglichen Verkehr standhält.
Dieser Beitrag erklärt dir Schritt für Schritt, wie eine Asphaltstraße aufgebaut ist, welche Schichten zum Oberbau gehören und welche Anforderungen an Materialien, Sieblinien und Einbaudicken bestehen.
Der Straßenaufbau im Überblick
Eine Asphaltstraße gliedert sich grundsätzlich in drei Bereiche:
- Oberbau (gebunden + ungebunden)
- Unterbau
- Untergrund
Der Unterbau bildet die Basis für den Oberbau und gleicht Bodenunterschiede aus. Der Untergrund ist der darunter liegende natürliche Boden.
Untergrund & Unterbau - die Basis jeder Asphaltstraße
Der Untergrund ist der natürliche Boden, der die Lasten des Straßenkörpers aufnehmen muss. Er muss ausreichend tragfähig sein, entwässert werden können, dauerhaft stabil bleiben und sauber verdichtet werden. Bei schwachen Böden sind vorab zusätzliche Maßnahmen zur Bodenverbesserung notwendig.
Der Unterbau dient dazu, einen Boden zu verbessern, der für den Straßenbau nicht ausreichend tragfähig oder frostbeständig ist. Typische Maßnahmen im Unterbau sind Bodenverbesserungen, Bodenverfestigungen oder der Einbau geeigneter Materialien wie Sand, Kies oder stabilisierter Erde.
Der Unterbau gleicht Unebenheiten aus, erhöht die Tragfähigkeit und schafft eine einheitlich belastbare Grundlage. Erst auf der fertig verdichteten und profilierten Oberfläche – dem Planum – beginnt der eigentliche Straßenkörper mit Frostschutzschicht, Schottertragschicht und den Asphaltschichten.
Ungebundener Oberbau – die Grundlage für Asphaltschichten
Der ungebundene Oberbau einer Asphaltstraße besteht aus zwei Schichten:
- Frostschutzschicht (FSS)
- Schottertragschicht (STS)
➤ Was bedeutet z. B. 0/16, 0/22 oder 0/45?
Die Angabe nennt sich Sieblinie. Sie gibt die Korngröße eines Asphalt- /Schottermaterials an. Die erste Zahl beschreibt dabei stets das Kleinstkorn, die zweite das Größtkorn. Es gilt: Je größer die Körnung, desto tragfähiger das Gestein.
Außerdem wichtig zu wissen: Die Schichtdicken richten sich immer nach den Belastungsklassen – stark befahrene Straßen wie Autobahnen werden deshalb deutlich dicker gebaut als kommunale oder innerörtliche Straßen.
Die Schottertragschicht ist die oberste ungebundene Schicht und stellt die Verbindung zur Asphalttragschicht her. Sie ist typischerweise 12 bis 20 cm dick und besteht aus einer Gesteinskörnung mit 0/32er Sieblinie. Die Aufgaben der Schottertragschicht sind der Ausgleich kleiner Unebenheiten, Stabilität und Lastverteilung.
Die nachfolgende Abbildung zeigt die einzelnen Schichten im ungebundenen und gebundenen Oberbau einer schwerbelasteten Straße (Bauklasse SV), nach RStO 01:
Gebundener Oberbau – die Asphaltschichten
Der gebundene Oberbau ist das Herzstück der Straße. Er besteht aus:
- Asphalttragschicht (AC T)
- Asphaltbinderschicht (AC B)
- Asphaltdeckschicht (SMA, AC D, PA, MA)
- Asphalttragdeckschicht (AC TD) als einlagige Lösung
Asphalttragschicht (AC T)
Die Asphalttragschicht ist die unterste Asphaltschicht und übernimmt die tragende Funktion innerhalb des gebundenen Oberbaus. Sie nimmt große Lasten auf, verteilt Kräfte und bildet die Basis für die darüberliegenden Schichten.
- Typische Dicke: 8–16 cm
- Übliche Sieblinien: 0/22 oder 0/32
Asphaltbinderschicht (AC B)
Die Binderschicht liegt zwischen Tragschicht und Deckschicht. Sie nimmt Scherkräfte auf und stabilisiert den gesamten Straßenkörper.
- Typische Dicke: 5–8 cm
- Sieblinien: 0/16 oder 0/22
Asphaltdeckschicht (SMA, AC D, PA, MA)
Die Asphaltdeckschicht bildet die Oberfläche der Straße – sie sorgt für Griffigkeit, Lärmreduktion und Wasserableitung. Typischerweise ist sie zwischen 2 und 3 cm dick bei Sieblinien von 0/8 oder 0/11. Für die Asphaltdeckschicht kommen je nach Anforderung unterschiedliche Asphaltarten zum Einsatz.
Folgende Varianten gibt es:
- Splittmastixasphalt (SMA): sehr griffig
- Asphaltbeton (AC D): universell einsetzbar
- Offenporiger Asphalt (PA): lärmmindernd
- Gussasphalt (MA): besonders dicht & widerstandsfähig
Asphalttragdeckschicht (AC TD) – die alternative Bauweise
Die Asphalttragdeckschicht kombiniert Trag- und Deckschicht in einer Lage – ein kompakter Aufbau, der aber nur für geringe Verkehrsbelastungen geeignet ist. Die Dicke der AC TD beträgt zwischen 4 und 6 cm. Außerdem wird meist eine Gesteinskörnung mit einer Sieblinie von 0/16 verwendet.
Ein wesentlicher Vorteil von AC TD sind die geringere Bauzeit und der geringere Materialbedarf. Dadurch ist der Aufbau meist deutlich wirtschaftlicher.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Radwege
- Parkplätze
- Gemeindestraßen
Der Schichtenverbund – das unsichtbare Qualitätsmerkmal
Zwischen den Asphaltschichten muss ein sicherer Schichtenverbund gewährleistet werden. Dafür wird eine Haftschicht aus Bitumenemulsion aufgetragen.
Darum ist der Schichtenverbund so wichtig:
- verhindert Schichtablösungen
- reduziert Rissbildung
- sichert Tragfähigkeit
- verbessert die Dauerhaftigkeit

FAQ - Häufige Fragen zum Straßenaufbau
Wie dick ist eine Asphaltstraße?
In der Regel 25–40 cm (alle Schichten zusammen), je nach Verkehrsbelastung.
Was ist die Asphalttragschicht?
Die unterste Asphaltschicht des Oberbaus, die Lasten aufnimmt und verteilt.
Was ist das Planum?
Die technisch hergestellte, tragfähige Oberfläche des Unterbaus. Es ist die Grenze zwischen Unterbau und Oberbau.
Welche Asphaltart eignet sich am besten für die Deckschicht?
Das hängt vom Einsatzbereich ab: SMA für hohe Griffigkeit, AC D für universelle Anwendungen, PA für Lärmminderung und MA für besonders dichte Oberflächen.
Was bedeutet die Angabe 0/32 bei Gesteinskörnung?
Es handelt sich um die Sieblinie der Gesteinskörnung: Feinkorn bis 0 mm und Größtkorn bis 32 mm. Grobe Körnungen sind besonders tragfähig.
Fazit: Der Schichtenaufbau von Asphaltstraßen
Der Schichtenaufbau einer Asphaltstraße ist ein systematisch entwickeltes Konstrukt aus ungebundenen und gebundenen Lagen. Jede Schicht übernimmt eine klar definierte Aufgabe und trägt zur Lebensdauer, Tragfähigkeit und Sicherheit bei.
Wie dick die einzelnen Schichten sind, hängt jedoch immer vom Straßentyp und der Belastungsklasse ab – weshalb eine Autobahn völlig anders konstruiert ist als eine Gemeindestraße.